Mein Handy kingelt. Natürlich liegt es wieder irgendwo, nur nicht da wo ich gerade bin. Also rase ich los – mein weiß ja nie wer dran sein könnte. Eine Treppe und einen langen Flur später schnaufe ich ein “Ja, Bottin” in das Ding.
Eine Dame mit leicht bayrischem Dialekt stellt sich als Vertreterin der Zeitschrift “wirtschaft und weiterbildung” vor. Sie fragt routiniert ob ich der richtige Ansprechpartner bin, wenn es um “Personalangelegenheiten” geht. Als ich mit – ja – antworte ergießt sich ein ca. 3 minütiger Redeschwall (ungelogen!) über mich.
Es geht um die vielen Vorteile irgendeines Onlineportals für Personalverantwortliche. Die letzen 2 Minuten höre ich gar nicht mehr zu und überlege mir nur wie ich sie charmant wieder los werde. Am Ende bietet sie mir ein gratis Probeabo für 1 Monat an. Ich werde wieder etwas interessierter, aber da ich mich in den letzten 2 Minuten darauf vorbereitet habe sie irgendwie los zu werden kann ich jetzt gar nicht so schnell umschalten. Deswegen sage ich: “Ich glaube ich komme gar nicht dazu die ganzen Artikel in Ihrem Portal auch wirklich zu nutzen; auf der anderen Seite ist ein Gratistest ja eigentlich nicht uninteressant.” Dann geschieht etwas sehr seltsames. Sie sagt: “Gut, aber trotzdem danke dafür, dass Sie mir zugehört haben. Auf wiederhören”.
Alleinunterhalter und Kaufsiganlverpasser
Jetzt stehe ich da mit meinem Handy in der Hand und bin wieder einmal Zeuge der beiden grössten Akquisefehler in der Telefonakquise geworden: Monologe halten und Kaufsignale verpassen. Das sind die typische Fehler eines Akquise Amateurs. Da hätten 2-3 Stunden Verkaufstraining vorher Wunder gewirkt. Was mich daran nervt ist eigenlich gar nicht so sehr, dass die Dame nicht einmal in der Lage war mir ein Gratisprodukt zu verkaufen, sondern dass solche Hobby-Akquisiteure die Zugangswege zum Akquiseerfolg für andere verstopfen. Denn mal ehrlich; wenn ich 9 Anrufe dieser Art und Qualität erhalte, dann bin ich grundgenervt – das bdeutet, dass der 10. Anrufer wahrscheinlich gar keine Chance mehr hat – egal wie gut er ist und egal wie interessant sein Produkt ist. Das lehrt mich zwei Dinge:
- Der Einwand “Sie sind schon der 10. Anrufer heute.” ist tendenziell ein “dealbreaker”; aber er lässt sich durch frühe Akquisezeiten vermeiden.
- Das nächste Mal wenn ich mich in ein Taxi setze und der Taxifahrer fragt: “Wo soll es hingehen.” Sage ich: “Ganz egal, ich werde überall gebraucht” :-)



29. April 2011 um 14:33
Hallo,
bei mir hat sich mal eine Dame gemeldet, da kam ich gar nicht dazwischen, um Sie unterbrechen. Ich dachte so bei mir: “Ralph, das ist bestimmt ein Bandansage.” Bevor ich diesen Gedanken zu Ende formulieren konnte, fragte Sie mich, ob ich kaufen möchte…
Da musste ich erst mal schlucken, das hat schon eine Weile gedauert…Und es ist schade, ich wusste nicht mal worum es ging, weil ich die ganze Zeit damit beschäftigt war, darüber nachzudenken, wie so eine Bandansage funktioniert….:-)
Gruß Ralph